Einzelne Labels lassen sich schnell erstellen, ein verständliches und konsistentes Labeling-System erfordert hingegen etwas mehr Planung. Dabei gibt es keine allgemeingültige Formel für das perfekte Label. Sprache ist mehrdeutig und ihre Bedeutung hängt von den jeweiligen Nutzer*innen, Inhalten und Kontext ab. Dennoch lassen sich einige Richtlinien ableiten, mit denen sich mögliche Missverständnisse reduzieren lassen. Besonders relevant ist dabei die Konsistenz innerhalb eines Systems, damit Nutzer*innen anhand weniger Labels erkennen können, nach welchem Prinzip die Inhalte der Website bezeichnet werden. Auf diese Weise werden auch weitere Bezeichnungen vorhersehbar.
Verständliche Benennung
Ein Label sollte möglichst klar vermitteln, was sich dahinter befindet oder welche Aktion dadurch ausgelöst wird. Es ist nicht entscheidend, ob die Bezeichnung aus sich der Ersteller*innen präzise ist, sondern ob Nutzer*innen die richtige Erwartung damit verbinden. Ein Menüpunkt “Lösungen” kann beispielsweise innerhalb eines Unternehmens selbstverständlich erscheinen, doch für Außenstehende bleibt vorerst offen, ob sich dahinter Produkte, Dienstleistungen, Anwendungsbeispiele oder Beratungsangebote befinden. Eine hilfreiche Frage bei der Erstellung ist daher:
Welche Inhalte oder Funktionen würde eine Person allein aufgrund dieses Labels erwarten?
Je größer die Übereinstimmung zwischen dieser Erwartung und dem Inhalt ist, desto besser erfüllt das Label seine Aufgabe.
Wie wir bereits unter “Labeling-Konventionen” behandelt haben, sollte dabei möglichst die Sprache der Zielgruppe verwendet werden. Abkürzungen oder Fachbegriffe können sinnvoll sein, wenn die Zielgruppe damit vertraut ist. Ist sie das nicht, können solche Labels eher für Verwirrung sorgen.
Konsistenz
Gute Labels sollte nicht isoliert betrachtet werden, sondern als Teil eines Labeling-Systems, dessen einzelne Bestandteile miteinander funktionieren müssen. Durch Konsistenz wird ein System vorhersehbar. Haben Nutzer*innen einige der Bezeichnungen verstanden, können sie besser einschätzen, wie weitere Labels im System funktionieren.
„Why is consistency important? Because consistency means predictability, and systems that are predictable are simply easier to learn.“
Das kann zum Beispiel durch Schreibweise und Darstellung erfolgen: Unterschiedliche Groß- und Kleinschreibung, uneinheitliche Formatierungen oder wechselnde Gestaltungen können den Eindruck vermitteln, dass Labels unterschiedliche Funktionen besitzen. Auch die Syntax sollte vergleichbar sein. So könnte eine Navigation beispielsweise nur aus Substantiven bestehen:
Produkte • Leistungen • Unternehmen • Kontakt
Wenn unterschiedliche sprachliche Formen ohne einen erkennbaren Grund miteinander vermischt, entsteht ein weniger geschlossenes System:
Produkte • Entdecken • Wer wir sind • Kontakt
Das bedeutet nicht, dass Substantive, Fragen oder Verben grundsätzlich besser oder schlechter für das Labeling geeignet sind. Es ist entscheidend, dass innerhalb eines zusammengehörigen Systems ein nachvollziehbares Muster entwickelt wird.
Granularität
Neben der sprachlichen Form spielt auch Granularität eine Rolle. Labels auf derselben Ebene sollten Inhalte mit einem vergleichbaren Detailgrad bezeichnen. Eine Navigation wie die folgende wirkt beispielsweise unausgewogen, weil “Produkte” einen gesamten Bereich zusammenfasst, während “Schwarzes Shirt” bereits einen einzelnen Inhalt dieses Bereichs bezeichnet:
Produkte • Unternehmen • Schwarzes Shirt • Kontakt
Das Problem liegt nicht beim Begriff selbst, sondern in seiner Beziehung zu den anderen Labels. Vergleichbare Navigationsoptionen sollten möglichst auf einer vergleichbaren inhaltlichen Ebene liegen. Das verbindet Labeling unmittelbar mit Informationsarchitektur, denn eine nachvollziehbare Benennung kann eine unklare Hierarchie nicht reparieren. Bevor Labels optimiert werden, sollte geprüft werden, ob die Inhalte sinnvoll strukturiert sind.
Das System als Ganzes
Ein Labeling-System sollte die Inhalte, die es repräsentiert, möglichst vollständig abdecken. Werden in einem Onlineshop beispielsweise folgende Kategorien dargestellt, obwohl “Shirts” und “Kopfbedeckungen” einen ebenso wichtigen Teil des Sortiments darstellen, entsteht eine erkennbare Lücke im System:
Hosen • Schuhe • Krawatten
Nicht jeder Inhalt benötigt zwangsläufig einen eigenen Navigationspunkt, allerdings sollte kein relevanter Bereich ohne einen nachvollziehbaren Zugang zurückgelassen werden. Auch zukünftiges Wachstum sollte dabei berücksichtigt werden, damit ein funktionierendes Labeling-System bei Erweiterung nicht inkonsistent wird.
Eindeutigkeit statt Abwechslung
Sprachliche Abwechslung kann die Orientierung erschweren: Wir dasselbe Ziel an einer Stelle als “Kontakt”, an einer anderen als “Kontaktieren sie uns” und an einer dritten Stelle als “Schreib uns” bezeichnet, müssen Nutzer*innen erst erkennen, ob tatsächlich derselbe Inhalt gemeint ist. Daher gilt für gutes Labeling eine andere Logik als beispielsweise bei Fließtext, bei dem Wortwiederholungen vermieden werden sollten.
Wenn zwei Labels denselben Inhalt meinen, ist Wiederholung häufig hilfreicher als sprachliche Abwechslung.
Besonders bei Navigationselementen ist diese Wiedererkennbarkeit wichtig, da Funktionen an unterschiedlichen Stellen auf einer Website auftreten können. Ersteller*innen einer Website sollten sich möglichst auf eine Variante festlegen.
Kurz und trotzdem ausführlich
Auch wenn Labels Informationen kompakt vermitteln müssen, bedeutet es nicht, dass kürzere Label automatisch besser sind. “Service” benötigt zwar weniger Platz als “Studienberatung”, vermittelt aber auch deutlich weniger Informationen zu den Inhalten dahinter. Ein längeres Label kann den zusätzlichen Platz rechtfertigen, wenn es dadurch eine eindeutigere Erwartung erzeugt. Umgekehrt sollten Labels aber auch nicht versuchen, alle Details des Inhalts vorwegzunehmen, wenn eine Beschreibung möglicherweise passender wäre.
Auf dieser Website arbeiten wir nach diesem Prinzip: Die Hauptnavigation bleibt durch Bezeichnungen wie “Struktur”, “Benennung” oder “Navigation” kompakt und verständlich. Innerhalb dieser Navigationselemente konkretisieren wir durch kurze Beschreibungen, welche Informationen hinter den Menüpunkten, die teilweise durch Fachbegriffe benannt sind, auffindbar sind.
Zusammenfassung
Gute Labels müssen nicht nur alleinstehend funktionieren, sondern ein konsistentes System bilden. Sie sollten verständlich sein, zur Sprache ihrer Zielgruppe passen und möglichst eindeutig repräsentieren, welche Inhalte sich hinter ihnen befinden. Zusammengehörige Labels sollten einer vergleichbaren Syntax, Darstellung und Granularität folgen und relevante Inhalte vollständig abdecken. Es gilt dabei nicht zwangsläufig, dass kürzere Labels besser sind, sondern dass sie Nutzer*innen möglichst zuverlässig vermitteln, was sie erwartet.
Quellen
- Estes, Janelle (28.10.2013). User-centric vs. Maker-centric Language: 3 Essential Guidelines. Nielsen Norman Group. Abgerufen am 13.09.2026.
- Tisza, Niki (06.10.2023). Label UX: Definition, best practices, examples. LogRocket. Abgerufen am 13.09.2026.
- Rosenfeld, Louis; Morville, Peter; Arango, Jorge (2015). Information Architecture: For the Web and Beyond. 4. Auflage. O’Reilly Media.