Hierarchien sind eine vertraute Methode, um umfangreiche Informationen in kleinere Einheiten zu unterteilen. Ein leicht zugängliches Beispiel für Hierarchien sind Bücher, die in Kapitel, die wiederum in Abschnitte und Absätze unterteilt sind. Die Inhalte einer Website lassen sich nach einem ähnlichen Schema in allgemeine Bereiche sowie spezifische Unterseiten strukturieren, weshalb sich Hierarchien als ein guter Ausgangspunkt für die Organisation von Inhalten anbieten.
Die Startseite bildet für gewöhnlich den Ausgangspunkt für die Hierarchie und steht an oberster Stelle. Von dort aus verzweigt sich die Struktur in übergeordnete Bereiche oder Kategorien und von dort aus wiederum zu spezifischeren Inhalten oder weiteren Kategorien. Typische Beispiele für Hierarchien sind beispielsweise:
Startseite › Bekleidung › Damen › Oberteile › Produkt
Startseite › Studium › Kunst & Design › Digitale Medien
Je weiter wir uns in der Hierarchie hinab bewegen, desto spezifischer werden die Inhalte. Auf diese Weise lassen sich viele Websites verschiedener Formate, wie beispielsweise Nachrichten- oder Unternehmenswebsites, unterteilen.
Beziehung zwischen Inhalten
Eine Hierarchie funktioniert besonders gut, wenn sich die Inhalte eindeutig über- und untergeordneten Kategorien zuweisen lassen. Über diese Beziehungen zwischen den einzelnen Ebenen, können Nutzer*innen die Struktur der Website leichter nachvollziehen. Allerdings muss diese Zuordnung nicht immer exklusiv sein, da ein bestimmter Inhalt für mehrere Bereiche relevant sein und dementsprechend an verschiedenen Stellen in der Hierarchie auftauchen kann. In diesem Fall sprechen wir von Polyhierarchie. Ein Rezept für einen veganen Kuchen kann beispielsweise sowohl unter “Vegan” als auch unter “Backen” eingeordnet werden. Auf diese Weise lassen sich unterschiedliche Zugänge zu den Informationen ermöglichen, allerdings verliert die Hierarchie ihre strukturierende Funktion, wenn sehr viele Inhalte zu vielen Kategorien zugeordnet werden. Daher sollten Kategorien möglichst klar voneinander abgegrenzt sein und nachvollziehbare Beziehungen zu über- und untergeordneten Inhalten herstellen.
Weite & Tiefe
Das Verhältnis von Weite (Breadth) und Tiefe (Depth) spielt bei der Gestaltung einer Hierarchie eine entscheidende Rolle. Die Weite beschreibt die Menge der Auswahlmöglichkeiten auf einer Ebene, während die Tiefe die Anzahl der Ebenen in der Hierarchie angibt. Durch eine sehr breite Hierarchie werden Nutzer*innen direkt mit zahlreichen Auswahlmöglichkeiten konfrontiert, was zwar Wege verkürzen, aber gleichzeitig die Übersicht erschweren und das schnelle Erfassen der verfügbaren Optionen beeinträchtigen kann. Eine sehr tiefe Hierarchie unterteilt die Inhalte auf viele aufeinanderfolgende Ebenen, wodurch die Auswahlmöglichkeiten zwar weniger sind, die Nutzer*innen aber vor mehr Entscheidungen stellen und sie dementsprechend häufig navigieren müssen, um ihr eigentliches Ziel zu erreichen.
Eine ideale Anzahl von Menüpunkten und Hierarchieebenen gibt es daher nicht. Ein sinnvolles Verhältnis von Weite und Tiefe ist entscheidend und sollte sich an den Inhalten sowie den Bedürfnissen der Nutzer*innen orientieren. Flache Hierarchien eignen sich für die meisten Websites, bei umfangreichen Informationsarchitekturen kann eine strengere Unterteilung in eine tiefe Hierarchie allerdings von Vorteil sein.
Kategorien & Unterkategorien
Je tiefer sich die Inhalte in der Hierarchie befinden, desto spezifischer werden sie für gewöhnlich. Übergeordnete Kategorien fassen verwandte Inhalte zusammen, während Unterkategorien diese weiter differenzieren. Dadurch entstehen sogenannte Parent-Child-Beziehungen zwischen einzelnen Seiten und Kategorien.
Nutzer*innen sollten nicht durch möglichst wenig Ebenen zum Ziel geführt werden. Wenn eine einzelne Ebene mit zu vielen Optionen gefüllt werden muss, bringt eine flache Hierarchie keinen Mehrwert, doch sollten zusätzliche Ebenen einen nachvollziehbaren Zweck erfüllen und nicht einfach einen zusätzlichen Klick erzeugen. Neben der Unterteilung in Unterseiten und Kategorien, können Inhalte auch durch Gliederung innerhalb einer einzelnen Seite gruppiert werden, weshalb die Tiefe einer Hierarchie nicht die einzige Möglichkeit ist, Informationen zu strukturieren.
Erweiterungsmöglichkeiten
Websiteinhalte sind dynamisch und können im Gegensatz zu Büchern jederzeit um Inhalte erweitert werden. Die Hierarchie sollte also nicht nur anhand der bereits bestehenden Inhalte geplant werden, sondern Wachstum berücksichtigen. Die Struktur von Websites, die regelmäßig um Inhalte, Produkte oder Bereiche erweitert werden, sollte entsprechend skalierbar sein.
Wird die Hierarchie zu Beginn flacher geplant, kann sie perspektivisch leichter um neue Ebenen erweitert werden. Inhalte, die nachträglich in eine eng geplante Struktur eingebettet werden, können wiederum zu unklaren Zuordnungen und inkonsistenten Kategorien führen. Hierarchie sichtbar machen Die Hierarchie der Website sollte anhand der Navigation der Website nachvollziehbar sein. Die Startseite kann einen Überblick über wichtige Bereiche geben, während Navigationssysteme den tatsächlichen Zugriff auf diese Inhalte ermöglichen. Es besteht eine enge Verbindung zwischen Hierarchie und Navigation, sie sind aber nicht identisch. Durch die Hierarchie wird beschrieben, in welcher Beziehung Inhalte zueinander stehen, während sich Nutzer*innen über die Navigation in dieser Struktur bewegen können. Durch Menüs, Breadcrumbs und andere Navigationssysteme können diese Beziehungen sichtbar gemacht werden, wie wir im Kapitel “Navigation” genauer behandeln.
Zusammenfassung
Hierarchien strukturieren Inhalte von allgemeinen Bereichen bis hin zu spezifischen Informationen und bilden eine wichtige Grundlage für viele Websites. Kategorien sollten möglichst nachvollziehbar voneinander abgegrenzt und Beziehungen zwischen den verschiedenen Ebenen erkennbar sein. Ein ausgewogenes Verhältnis von Weite und Tiefe ist entscheidend, da zu viele Optionen auf einer Ebene die Übersicht erschweren und zu viele Ebenen unnötig lange Wege erzeugen können. Der Umfang der Inhalte, der Kontext und die Bedürfnisse der Nutzer*innen spielen auch bei der Wahl der Struktur eine entscheidende Rolle. Außerdem sollte eine gute Hierarchie erweiterbar sein.
Quellen
- Ein Anfängerleitfaden über Website‑Architektur. Mailchimp. Abgerufen am 10.09.2026.
- Rosenfeld, Louis; Morville, Peter; Arango, Jorge (2015). Information Architecture: For the Web and Beyond. 4. Auflage. O’Reilly Media.