Labels begegnen uns auf Websites in unterschiedlichen Formen und bezeichnen nicht nur Menüpunkte, sondern beispielsweise auch das Ziel eines Links, den Inhalt eines Abschnitts oder die Funktion eines Icons. Ihre Gemeinsamkeit ist, dass sie stellvertretend für umfangreiche Inhalte, Funktionen oder Zusammenhänge stehen. Die vier grundlegenden Arten textbasierter Labels sind: Labels innerhalb von Navigationssystemen, kontextuelle Links, Überschriften und Indexbegriffe. Icons ergänzen sie als visuelle beziehungsweise symbolische Labels. Sie schließen sich nicht gegenseitig aus: Eine Überschrift kann beispielsweise gleichzeitig ein Link oder ein Begriff zur Indexierung eines Inhaltes sein. Auch weitere Interface-Elemente wie Buttons oder Formularfelder sind Navigationsbezeichnungen und können daher als Labels verstanden werden, die Nutzer*innen vermitteln, welchen Inhalt oder welche Funktion sie erwarten können.
Labels in Navigationssystemen
In Navigationssystemen haben Labels die wichtige Aufgabe, Nutzer*innen eine Einschätzung zu ermöglichen, welche Inhalte oder Funktionen sich hinter den angegebenen Optionen befinden. Die globale Navigation einer Hochschule könnte beispielsweise “Studium”, “Bewerbung”, “Hochschule” und „Forschung“ beinhalten. Jedes dieser Labels repräsentiert einen wesentlich größeren Bereich der Website.
„Labels are often the most obvious way to clearly show the user your organization and navigation schemes across multiple systems and contexts.“
Navigationspunkte erscheinen wiederholt und meistens an zentraler Stelle, weshalb Unklarheiten und Inkonsistenz besonders ins Gewicht fallen. Auch unterschiedliche Bezeichnungen für dasselbe Ziel können die Orientierung erschweren: Wird die Startseite an einer Stelle als “Home” und an einer anderen Stelle als “Startseite” bezeichnet, müssen Nutzer*innen erst herausfinden, dass beide Labels zum gleichen Ziel führen.
Für viele typische Navigationsziele haben sich etablierte Bezeichnungen entwickelt, beispielsweise “Kontakt” oder “Über uns”. Eine verständliche und konsistente Verwendung innerhalb eines Systems ist wichtig. Wie diese Konsistenz erreicht werden kann, wird im Kapitel “Richtlinien” genauer behandelt.
Kontextuelle Links
Kontextuelle Links verbinden einen Inhalt direkt mit einer anderen Seite oder einem anderen Bereich auf der jeweiligen Seite. Sie entstehen häufig im redaktionellen Kontext und unterscheiden sich daher von Labels in einer geplanten Navigation. So haben wir beispielsweise im vorherigen Abschnitt auf das Kapitel “Richtlinien” verwiesen, das als weiterführende Information zum entsprechenden Thema dient.
Weil solche Links häufig direkt während der Erstellung von Inhalten gesetzt werden, können ihre Bezeichnungen sehr unterschiedlich ausfallen. Ihre Bedeutung hängt stark vom Inhalt ab, der die kontextuellen Links umgibt. Ein Begriff, der für die Autor*innen der Inhalte eindeutig erscheint, muss für Nutzer*innen nicht zwangsläufig dieselbe Bedeutung haben. Daher ist es hilfreich, sich beim Erstellen der Links folgende Frage zu stellen:
Welche Informationen erwarten Nutzer*innen, wenn sie auf diesen Link klicken?
Das Label entscheidet darüber, wie verständlich der Weg zu diesen Informationen kommuniziert wird. Genauere Informationen darüber, welche Wege zwischen den verwandten Inhalten sinnvoll sind, haben wir im Kapitel “Kontextuelle Navigation” behandelt.
Überschriften
Da Überschriften den folgenden Inhalt zusammenfassen und Nutzer*innen somit einen Überblick darüber verschaffen, gelten sie ebenfalls als Labels. Sie vermitteln nicht nur, worum es geht, sondern können durch ihre Gestaltung und Anordnung auch Beziehungen zwischen Inhalten sichtbar machen. Haupt- und Zwischenüberschriften erzeugen eine Hierarchie, durch die Inhalte in verständliche Abschnitte gegliedert werden. So können beispielsweise Prozesse unterteilt oder zusammenhängende Themen gruppiert werden. Die visuelle Gestaltung unterstützt diese Funktionen zusätzlich: Wiederkehrende Schriftgrößen, Abstände oder Schriftstärken können dabei unterstützen, Überschriften derselben oder auch verschiedener Ebenen als zusammengehörig wahrzunehmen.
Indexbegriffe
Nicht jedes Label muss auf einer Website sichtbar sein. Indexbegriffe beschreiben und kategorisieren Inhalte, damit diese später leichter gefunden werden können, beispielsweise über eine Suchfunktion. Dazu gehören Schlagwörter, Tags oder Begriffe aus Taxonomien. Ein Artikel über mobile Navigation könnte beispielsweise mit Begriffen wie “Navigation”, “Responsive” oder “Mobile” versehen werden. Durch diese Labels können verwandte Inhalte zusammengeführt oder zusätzliche Zugänge geschaffen werden.
In einem Onlineshop können Farben, Größen oder Materialien als strukturierte Begriffe hinterlegt und schließlich über Filter verwendet werden. Indexbegriffe bilden die Schnittstelle zwischen Benennung, Organisation und Suche: Inhalte erhalten Begriffe, anhand derer sie unabhängig von ihrer eigentlichen Position auf der Website wiedergefunden und gruppiert werden können.
Icons als Labels
Nicht jedes Label besteht aus Text, denn auch Icons können Inhalte oder Funktionen repräsentieren. Eine Lupe steht beispielsweise häufig für eine Suche, ein Einkaufswagen für den Warenkorb und ein Herz kann in einem Onlineshop die Wunschliste darstellen. Besonders praktisch sind sie durch ihre kompakte Darstellung, die auf kleinen Bildschirmen Funktionen vermittelt, ohne dabei viel Platz in Anspruch zu nehmen. Sie sind stärker abhängig von Konvention und Kontext, da sie meistens nicht durch einen Text gestützt sind.
„It’s true that a picture is worth a thousand words. But which thousand?“
Auch Icons können in mehrdeutig sein: Das zuvor erwähnte Lupen-Icon könnte in einem anderen Kontext beispielsweise auch “Vergrößern” ausdrücken. Das erwähnte Herz-Icon wird auf Instagram dafür verwendet, einen Beitrag mit einem Like zu versehen, und könnte in einem anderen Kontext wiederum eine andere Bedeutung haben. Bei Icons, die Nutzer*innen nicht sehr oft begegnen, kann es hilfreich sein, diese gemeinsam mit einem Text-Label darzustellen.
Eine gemeinsame Aufgabe
Auch wenn sich die genannten Arten von Labels in ihrem Einsatz unterscheiden, verfolgen sie trotzdem ein grundlegendes gemeinsames Ziel: Sie sollen Nutzer*innen eine möglichst zutreffende Vorstellung davon vermitteln, was ein Inhalt oder Interface-Element repräsentiert. Ein Inhalt kann dabei von mehreren Formen des Labels beschrieben werden: Der Titel eines Artikels kann als Überschrift erscheinen, in einer Navigation verlinkt und gleichzeitig durch zusätzliche Indexbegriffe kategorisiert werden. Daher bilden die Arten von Labels kein getrenntes System, sondern greifen innerhalb einer Website ineinander. Die Grundsätze zur Verständlichkeit, Konsistenz, Syntax und Detailgrad behandeln wir im Kapitel “Richtlinien”.
Zusammenfassung
Labels treten auf Websites in unterschiedlichen Formen auf. Labels in der Navigation machen Bereiche und Funktionen zugänglich, kontextuelle Links beschreiben Ziele in einem inhaltlichen Zusammenhang, Überschriften repräsentieren nachfolgende Inhalte, Indexbegriffe unterstützen die Kategorisierung und Auffindbarkeit. Icons können als symbolische Labels funktionieren, wenn ihre Bedeutung für Nutzer*innen ausreichend verständlich ist.
Unabhängig von ihrer Form erfüllen sie dieselbe Aufgabe: Sie reduzieren umfangreiche Informationen auf eine Bezeichnung, die es Nutzer*innen möglichst leicht macht zu erkennen, was sie erwartet.
Quellen
- Labeling Systems: Naming and Categorizing Content. Information Architecture Authority. Abgerufen am 13.09.2026.
- Tisza, Niki (06.10.2023). Label UX: Definition, best practices, examples. LogRocket. Abgerufen am 13.09.2026.
- Rosenfeld, Louis; Morville, Peter; Arango, Jorge (2015). Information Architecture: For the Web and Beyond. 4. Auflage. O’Reilly Media.