Labeling-Konventionen

Auf Websites begegnen uns ständig kurze Begriffe, die stellvertretend für wesentlich umfangreichere Inhalte oder Funktionen stehen: Der Menüpunkt “Kontakt” kann beispielsweise eine Seite mit Adresse, Telefonnummer, E-Mail-Adresse und einem Kontaktformular repräsentieren. Statt all diese Informationen direkt sichtbar zu machen, werden sie in einem Label zusammengefasst, um Nutzer*innen zu vermitteln, was sie dahinter erwarten können. Das Ziel eines Labels besteht darin, die Bedeutung der Inhalte möglichst effizient zu vermitteln, ohne viel Platz dafür in Anspruch zu nehmen.

Labels bilden daher eine wichtige Verbindung zwischen der Informationsarchitektur und ihrer sichtbaren Darstellung. Kategorien und Funktionen können erst dann zuverlässig genutzt werden, wenn ihre Bezeichnungen verständlich vermittelt werden. Sie sind somit einer der offensichtlichsten Wege, um Organisations- und Navigationssysteme für Nutzer*innen sichtbar zu machen.

Erwartungen nutzen

Für wiederkehrende Funktionen und Inhalte haben sich Konventionen zur Benennung im Web entwickelt. So lassen sich Begriffe wie “Kontakt”, “Suche”, “Über uns” oder “Shop” auf zahlreichen Websites wiederfinden und werden in ähnlichen Zusammenhängen verwendet. Durch die häufige Begegnung mit diesen Begriffen, können Nutzer*innen ein Verständnis dafür entwickeln, was sie hinter diesen erwartet. Diese Erwartungen sind teil eines sogenannten “Mental Models”, das die Vorstellung beschreibt, die Nutzer*innen davon haben, wie ein System funktioniert. Diese Vorstellung beeinflusst wiederum, wie sie mit einer Website interagieren.

Das bedeutet konkret, dass nicht jede Bezeichnung neu erfunden werden muss. Sind Nutzer*innen bereits mit etablierten Begriffen vertraut und verbinden damit bestimmte Funktionen, können diese Erwartungen genutzt werden.

Screenshot: mdr
Der Footer des mdr ist sehr umfangreich, bedient sich aber Labeling-Konventionen wie „Startseite“, „Karriere“ oder „TV-Sendungen A-Z“, die Nutzer*innen mit bestimmten Inhalten verbinden.

Kontext schafft Bedeutung

Eine Konvention garantiert allerdings kein eindeutiges Verständnis eines Labels, denn die Bedeutung des Begriffs entsteht immer auch im Kontext. So kann “Menü” beispielsweise auf der Website eines Restaurants die Navigation oder die Speisekarte bezeichnen. Selbst verbreitete Labels können in unterschiedlichen Umgebungen unterschiedliche Inhalte repräsentieren. Werden gleiche Begriffe innerhalb derselben Website unterschiedlich verwendet, kann das zu besonders großer Verwirrung führen. Lässt sich die Mehrdeutigkeit nicht allein über das Label auflösen, kann eine Beschreibung helfen.

Wenn wir uns diese Website hier ansehen, können wir erkennen, dass der Begriff “Struktur” durch den Kontext der Website und die danebenliegenden Menüpunkte zusätzlichen Kontext erhält, obwohl der Begriff eigentlich mehrdeutig ist. Durch Beschreibungen im Untermenü, können die erwarteten Inhalte noch genauer eingegrenzt werden.

Der Faktor Sprache

Ein Begriff kann fachlich korrekt und trotzdem ein schlechtes Label für eine bestimmte Zielgruppe sein. Besonders Abkürzungen und Fachsprache setzen Wissen voraus, das Nutzer*innen möglicherweise gar nicht besitzen. Es empfiehlt sich daher, Begriffe zu verwenden, mit denen möglichst viele Nutzer*innen etwas anfangen können, da nicht pauschal davon ausgegangen werden kann, dass Fachbegriffe von allen Besucher*innen verstanden werden. Es gibt also nicht das eine richtige Label, es ist vielmehr entscheidend, wer es in welchem Zusammenhang verstehen soll. Ein gutes Label verwendet nicht die Sprache, die für die Ersteller*innen am naheliegendsten ist, sondern die Sprache, mit der die Zielgruppe die Bedeutung möglichst zuverlässig verbindet.

„Language is simply too ambiguous for you to ever feel confident that you’ve perfected a label. There are always synonyms and homonyms to worry about, and different contexts influence our understanding of what a particular term means.“

Information Architecture: For the Web and Beyond [S. 153]

Keine festen Regeln

Auch etablierte Begriffe funktionieren nicht für jede Zielgruppe und jeden Kontext, denn Sprache ist mehrdeutig und verändert sich. Selbst bei scheinbar eindeutigen Bezeichnungen kann daher nicht vorausgesetzt werden, dass sie von allen Nutzer*innen identisch verstanden werden. Unterschiedliche Nutzer*innen, Inhalte und Kontext können die Bedeutung eines Begriffs verändern.

Daher sollten Konventionen als Erwartungen verstanden werden, auf die bei der Gestaltung zurückgegriffen werden kann. Passen sie zur Zielgruppe und zum Kontext, können sie die Erwartung an die Inhalte dahinter erleichtern, aber es kann auch sinnvoll sein, von ihnen abzuweichen, wenn ein anderer Begriff diese Inhalte verständlicher repräsentiert.

Zusammenfassung

Labels repräsentieren Inhalte, Strukturen oder Funktionen mit möglichst wenigen Worten. Etablierte Konventionen können helfen, vorhandene Erwartungen der Nutzer*innen zu nutzen und die Bedeutung eines Labels schneller verständlich zu machen. Entscheidend ist der jeweilige Kontext: Ein Label sollte zu den dahinter liegenden Inhalten, zur Zielgruppe und zu deren Sprachgebrauch passen. Konventionen sollten also nicht als ein festes Regelwerk, sondern als eine hilfreiche Grundlage zur Benennung verstanden werden.

Quellen

  1. Chan, Megan (26.01.2024). Mental Models. Nielsen Norman Group. Abgerufen am 13.09.2026.
  2. Estes, Janelle (28.10.2013). User-centric vs. Maker-centric Language: 3 Essential Guidelines. Nielsen Norman Group. Abgerufen am 13.09.2026.
  3. Tisza, Niki (06.10.2023). Label UX: Definition, best practices, examples. LogRocket. Abgerufen am 13.09.2026.
  4. Rosenfeld, Louis; Morville, Peter; Arango, Jorge (2015). Information Architecture: For the Web and Beyond. 4. Auflage. O’Reilly Media.