Die Informationsarchitektur bildet das Fundament für die Struktur einer Website und ist somit unerlässlich für eine gute Navigationsstruktur. Sie betrifft nicht nur das Menü, sondern ist ein abstraktes Konzept der Anordnung, Gruppierung und Verbindung von Inhalten. Ein Großteil der folgenden Kapitel dieses Leitfadens basiert auf Informationsarchitektur, dennoch werden wir in diesem Kapitel nur die Grundsätze beleuchten, um diese fortlaufend wieder aufzugreifen.
Was ist Informationsarchitektur
Wie bereits eingangs erwähnt, sind die wesentlichen Aspekte der Informationsarchitektur die Strukturierung und Anordnung von Inhalten in einem Informationssystem. Auf diese Weise wird es Nutzer*innen erleichtert, Inhalte in diesem System zu finden, indem sie logisch organisiert und miteinander verknüpft werden. Auch die Hierarchie ist im Wesentlichen nur ein Teilbereich der Informationsarchitektur, wird aber in einem anderen Kapitel im Detail behandelt (Link zu Hierarchie). Wird die Informationsarchitektur von Anfang an gut geplant, schafft sie eine wesentliche Grundlage für die Navigation. Es sei aber angemerkt, dass Informationsarchitektur und Navigation nicht identisch sind. Die Architektur ist das Grundgerüst, die Navigation bildet konkrete Wege innerhalb dieses Gerüstes ab.
Nutzer*in, Inhalt und Kontext
Bei der Gestaltung der Informationsarchitektur ist es hilfreich, sich vor Augen zu führen, von welchen Faktoren diese abhängig ist. Diese Faktoren lassen sich auf drei Säulen herunterbrechen: Nutzer*in, Inhalt und Kontext. Also welche Nutzer*innen interagieren in welchem Kontext mit den Inhalten.
Für die Architektur sollte berücksichtigt werden, dass jede*r Nutzer*in unterschiedliche Bedürfnisse und Erwartungen bei der Informationsbeschaffung hat und somit ein anderes Verhalten zu Tage legt. Dieses Verhalten lässt sich beispielsweise durch Analysetools wie Google Analytics oder Matomo für explizite Anwendungsfälle untersuchen, in den meisten Fällen gibt es aber bereits bestehende Analysen, die Aufschluss über das Verhalten in verschiedenen Architekturen geben.
Die Inhalte sind der eigentliche Kern einer Informationsarchitektur und der Grund, weshalb sich Besucher*innen überhaupt auf die Website begeben. Dass sie lesenswert sein und einen Mehrwert bieten sollten, ist an dieser Stelle vermutlich klar. Unabhängig davon ist die Strukturierung der Inhalte maßgeblich dafür verantwortlich, wie diese von Nutzer*innen gefunden werden können. Sie sollte also leicht zugänglich und intuitiv sein. Besonders auf diesen Faktor werden wir in folgenden Kapiteln aber noch genauer eingehen.
Der Kontext beschreibt den Rahmen, in dem die Informationsarchitektur entsteht und ergänzt die beiden Faktoren. Dazu gehören beispielsweise die Ziele einer Organisation, technische Voraussetzungen oder redaktionelle Strukturen. Unabhängig vom Verhalten der Nutzer*innen kann dieser stets variieren: Muss eine Information schnell gefunden werden oder braucht es eine ausführliche Erklärung? Sind die Informationen für den alltäglichen Gebrauch oder als Basis für eine wissenschaftliche Arbeit vorgesehen? Wenn dieses theoretische Konzept bei der Erstellung der Architektur bedacht wird, lässt sich eine Struktur später leichter erstellen.
Systeme der Informationsarchitektur
Informationsarchitektur lässt sich in vier grundlegende miteinander verbundene Systeme unterteilen: Organisation, Labeling, Navigation und Suche. Wir befassen uns in diesem und den folgenden Kapiteln mit der Organisation, also mit der Strukturierung und Gruppierung der Inhalte. Durch Labeling-Systeme werden wir festlegen, wie diese Inhalte und Strukturen bezeichnet werden. Navigationssysteme verbinden diese Inhalte miteinander und Suchsysteme bieten alternative Zugänge zu diesen. Mit der Navigation werden wir uns ausführlich in den Kapiteln Design und Umsetzung beschäftigen. Diese Systeme beeinflussen sich gegenseitig und lassen sich nicht konkret voneinander trennen. In den folgenden Kapiteln wird ihre Rolle in einer guten Informationsarchitektur konkretisiert.
Zusammenfassung
Informationsarchitektur schafft die strukturelle Grundlage dafür, dass Inhalte gefunden, verstanden und sinnvoll miteinander verbunden werden können. Sie beginnt nicht beim Menü, sondern bereits bei der Frage, welche Inhalte vorhanden sind, wie sie organisiert werden und in welcher Beziehung sie zueinander stehen. Eine gute Informationsarchitektur berücksichtigt nicht nur die Inhalte selbst, sondern auch die Nutzer*innen und den Kontext, in dem das Informationssystem verwendet wird. Durch Organisation, Benennung, Navigation und Suche wird die Architektur schließlich zugänglich gemacht. Informationsarchitektur bestimmt nicht, wie ein Menü aussieht, sondern welche Struktur dahinter liegt und welche Wege dadurch überhaupt möglich werden.
Quellen
- Bauer, Anna (03.06.2026). Informationsarchitektur verstehen – oder war es doch die Sitemap? eresult GmbH. Abgerufen am 03.09.2026.
- Shaar, Sarah (27.06.2024). Informationsarchitektur: Ein Leitfaden für UX-Designer. Justinmind. Abgerufen am 22.08.2026.
- Rosenfeld, Louis; Morville, Peter; Arango, Jorge (2015). Information Architecture: For the Web and Beyond. 4. Auflage. O’Reilly Media.